Terrorismus oder Freiheitskampf?

MERAN - Am Freitag, den 28. März 2003 wurde von der Schützenkompanie Meran Stadt im Zuge des Kulturprogrammes 2003 ein Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion veranstaltet, welcher unter dem Motto "Terrorismus oder Freiheitskampf" stand. Bei der von zahlreichen Gästen besuchten Veranstaltung wurde über Südtirol in den 50er und 60er Jahren mit seiner politischen Tragik und seinen menschlichen Schicksalen referiert und diskutiert.


Hauptmann Roman Grossteiner konnte die Zeitzeugen Sepp Mitterhofer und Luis Gutmann begrüßen, welche über ihre Beweggründe berichteten, warum sie sich in der damals ausweglos erscheinenden Situation an Aktionen gegen den Staat und die faschistischen Herrschaftssymbole beteiligten. Alle Aktionen wurden ausnahmslos unter dem Aspekt, Menschenleben absolut zu schonen, gestartet.

Sepp Mitterhofer aus Meran- Obermais sprach über sein Mitwirken beim BAS (Befreiungsausschuss für Südtirol) in der Gruppe um Sepp Kerschbaumer. Er berichtete über die Handlungen, die die Welt auf das Schicksal von Südtirol aufmerksam machen sollten. Über seine daraus resultierende Verhaftung, die erlittenen Folterungen in der Carabinieri- Kaserne in Meran, dem darauf folgenden Massenprozess in Mailand und dem anschließenden Freiheitsentzug. Fern von Familie und Heimat musste er acht Jahre unter schwersten Bedingungen absitzen, bis er zu seiner Familie zurückkehren konnte und seine Integration in die Gesellschaft möglich war.

Luis Gutmann aus Tramin berichtete über die erlittenen unmenschlichen Folterungen, welche ihm in der Carabinieri- Kaserne von Tramin widerfahren sind. Er sprach über den Aufschrei der Häftlinge in zahlreichen Briefen an Politiker und Spitzen der katholischen Kirchen im Lande. Briefe, die ungehört geblieben sind. Die Schilderungen von Luis Gutmann lösten im Publikum tiefste Fassungslosigkeit aus.

Umrahmt wurden die Referate durch Lichtbilder, die von Günther Obwegs zusammengestellt wurden. Günther Obwegs ist Kenner der Ereignisse und Mitherausgeber des Buches "Es blieb kein anderer Weg".

Im Anschluss an die Referate erfolgte die Podiumsdiskussion unter der Leitung von Kultur- und Bildungsreferent Renato des Dorides, an welcher sich das Publikum rege beteiligte.
Zum Abschluss der Veranstaltung dankte Hauptmann Roman Grossteiner allen Mitwirkenden für das gezeigte Interesse.

Der Vortragsabend hat dazu beigetragen, die damals schwierige Zeit aus der Sicht der Teilhabenden zu sehen. Durch die Bereitschaft der Zeitzeugen, über ihr erlittenes Schicksal zu sprechen ist das Begreifen der damaligen Umstände verständlicher geworden. Südtirol wäre heute mit Sicherheit nicht das Südtirol, wie wir es kennen, wenn es nicht Menschen wie Sepp Mitterhofer oder Luis Gutmann gegeben hätte, die ohne Rücksicht auf ihre eigenen Interessen die Interessen unseres Landes vertraten, vielleicht sogar besser vertraten als mancher Politiker.

Die Aktionen selbst mögen manchen Menschen nicht gerade richtig erscheinen, jedoch zeigen gerade solche Vortragsabende, warum damals kein anderer Weg möglich war.

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